Der Faktencheck auf Düsseldorf-Gaslicht.de

In den Stellungnahmen zur Online-Petition traten Fragen und Unsicherheiten auf, die hier beantwortet werden sollen:

Rolf Buschhausen (29. Mai, CDU)

Herr Buschhausen meint, die Petition “sei abzulehnen” und verweist  auf die Umweltbelastung von Gas, die weitaus höher sei als hochmoderne Belechtungstechnik (z.B. LED)

Höher ja – weitaus höher? Das kommt darauf an,  wie man Verluste bei der Erzeugung elektrischer Energie mit in die Rechnung einbezieht. Der ökologische Fußabdruck bei Elektrolicht entsteht am Kraftwerk, er entsteht durch technikbedingte Verluste beim Transport (Gas kann verlustfrei transportiert werden) und durch die Tatsache, dass sich elektrischer Strom – anders als Gas – nur über verlustreiche Umwege speichern lässt…

Beispiel: Das Gas in den Straßenlaternen ist verantwortlich für 200 g CO2/KWh, Strom in Braunkohlekraftwerken “erzeugt” bis zu 1, 3 Kg durch Verbrennung in Braunkohlekraftwerken der Umgebung (Faktor 6!) Leitungs- und Speicherverluste nicht eingerechnet).

Was nach ehrlicher Rechnung als ökologischer Nachteil bestehen bleibt, steht einem gewaltigen Plus gegenüber, den eine Anerkennung als Weltkulturerbe mit sich brächte. (Jeder Springbrunnen, jedes illuminierte Denkmal  belastet die Umwelt ohne “erforderlich” zu sein – und ohne der Stadt Düsseldorf ein derartig einmaliges Gesicht geben zu können.)

Herr Buschhhausen nimmt zudem an, die Hersteller der Ersatzteile der Gaslaternen (insbesondere die Glühstrümpfe) seien rar und produzierten in Indien mit Kinderarbeit

Ersatzteile kommen von den deutschen Herstellern: Firmen die das können sind Braun, Trapp und Schneider – um nur einige zu nennen. Glühstrümpfe können bei Petromax geordert werden: Langlebige Produkte aus Deutschland, wo Kinderarbeit verboten ist
Bei Gaslicht ist der Verzicht auf Kinderarbeit daher weit einfacher, als bei elektronischen Artikeln, die in Deutschland kaum noch hergestellt werden. LED kommen z.B. oft aus Malaysia. Wer würde für die Arbeitsbedingungen dort die Hand ins Feuer legen?
Zugegeben – billiger wird’s so nicht – was Befürwortern des teureren Gaslichtes häufig entgegengehalten wird.
Der vollständige Erhalt der Gasbeleuchtung wäre aus diesem Grund aber unbedingt zu befürworten.

Dietmar Wolf (29. Mai, B’90/Grüne)

Herr Wolf hält es für “nicht praktikabel, ein Moratorium zu verhängen und defekte Leuchten solange nicht zu erneuern bzw. je nach Entscheidung umzurüsten.”

Defekte Laternen müssen selbstverständlich erneuert werden. Wir fordern aber, dies mit gleicher Energieform zu tun.
Gaslaterenn sind durch Gaslaternen zu ersetzen.

Herr Wolf berichtet vom runden Tisch im April 2015, nach dem “ein erheblicher Teil der Gasbeleuchtung erhalten werden kann”

Unseres Wissens hat die Verwaltung zu diesem Anlass bereits festgestellt, dass es möglich ist, die Gasbeleuchtung (komplett) zu erhalten. Gegen den politischen Willen, nur einen (wenn auch erheblichen) TEIL zu erhalten wendet sich die Petition.
… Und sie fordert, im Hofgarten bei einem neuen Konzept das Gaslicht zu berücksichtigen. Wir befürchten, dass hier Fakten geschaffen werden sollten.

Nic Peter Vogel (AfD, 26. Mai):

Herr Vogel fühlt sich verunsichert durch die Herstellung der Glühstrümpfe in Indien, sowie wegen derer Radioaktivität.

Die Fakten:

  1. Auch in Deutschland werden (bei der Firma Petromax in Magdeburg) passende Glühstrümpfe hergestellt.
  2. Für eine geringe Menge an Radioaktivität ist das Element Thorium zuständig, hier hat sich zu Recht ein verschärftes Umweltbewusstsein entwickelt. Daher liefert der indische Hersteller inzwischen thoriumfreie Glühstrümpfe nach Deutschland.
  3. Die bei thoriumhaltigen (inzwischen nicht mehr verkauften Glühkörpern) vorhandene, extrem geringe Radioaktivität war vor einigen Jahren Untersuchungsgegenstand der RWTH Aachen. Das Ergebnis war eindeutig: Man sah keine besondere Gefährdung für den Menschen (…). Der Grenzwert an zulässiger Strahlungsintensität von einem Millisievert (mSv) pro Jahr, der für einen Menschen gilt, der nicht beruflich mit Gasglühkörpern zu tun hat, würde lediglich zur Hälfte erreicht, wenn ein Mensch ein ganzes Jahr lang in einer Wanne mit 10.000 Glühkörpern sitzen würde!
    Für einen Glühkörper geht man im Durchschnitt von einer natürlichen Strahlung von 750 Bequerel aus. Doch viele alltägliche Dinge, z.B. Lebensmittel, haben ähnliche oder sogar höhere Dosierungen, so ein Pfund Kaffee etwa 1.000 Bequerel (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz). Ein erwachsener Mensch kommt durch Nahrungsaufnahme und natürliche Eigenstrahlung gar auf 10.000 Bequerel.
    Es handelt sich um eine natürliche Strahlung, keinesfalls zu verwechseln mit Strahlung von Atomanlagen, die den Strom erzeugen, der auch für Elektrobeleuchtung benötigt wird.

Weitere Details zu Gasglühkörpern können Sie in der Zeitschrift des Vereins Pro Gaslicht “Zündfunke” Nr 53/2014  ab Seite 29 nachlesen.

André Simon (CDU, 26. Mai)

Herr Simon spricht von einer rückgewandten Technologie und plädiert für den Einsatz von LED-Technologie in alten Laternen. Er

Zum Ensatz von LED in Gaslaternen siehe die Antwort zu Frau Kraft-Dlangamandla (Linke)

Herr Simon wendet sich dagegen, dass “stark mit der Angst der BürgerInnnen gespielt wird. Es wird der Eindruck vermittelt, dass unsere beliebten Leuchten wegfallen sollen. Wenn die LED Technologie endlich zum Einsatz kommt, dann wird diese in die Modelle Alt-Düsseldorfer und Aufsatzleuchten eingebaut. Die Optik bleibt die gleiche – mit dem Vorteil, dass die Straßen hell und somit auch sicherer sein werden – und dass bei 1/10 der bisherigen Energiemenge.”

Beispiele dafür, wie mit Gaslaternen bisher umgegangen wurde finden Sie weiter unten auf der Seite.  Bisher wurden Gaslaternen großflächig durch hässliche Stromlampen ersetzt.
Die Befürchtung, dass die beliebten Leuchten wegfallen, wird durch zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit gestützt. Herr Simon ist bisher nicht als Gegner dieser Praxis aufgefallen. Zu den Schwierigkeiten einer “Umrüstung” der alten Hüllen auf Allerweltstechnik (Rost, Begrenzung der Lebebnsdauer, Unzulässigkeit der alten Hüllen für Elektrische Anlagen) siehe die Stellungnahme zu Frau Kraft-Dlangamandla.

Als Umweltpolitiker weist er “die Forderung  nach einer rückgewandten Technologie entschieden zurück”.

Den Begriff “rückgewandte Technologie” weisen wir genauso entschieden zurück. Gaslicht ist die einzige Technologie, die z.B. aus Faulgasen mit niedrigem Druck etwas sinnvolles (nämlich Licht) machen kann. Die schädliche Klimawirkung z.B. von Methan verringert sich durch die Verbrennung in CO2 auf ein en Bruchteil. Ob diese Technologie z.B. in der Dritten Welt eine Zukunft hat, ist eine Frage des politischen Willens. Der Umweg über Strom geht über Verdichter und Generatoren (die samt Ersatzteilen eher den Produzenten der Technik nutzen als den Bedürfnissen in infrastrukturarmen Regionen der Welt Rechnung tragen – abgesehen von damnit verbundenem Energiebedarf). Wie einfach dagegen das Sammeln von brennbarem Gas gehen könnte zeigen die Seiten, die durch einfaches googlen nach “fermenter” im Netz zu finden sind.
Letztlich könnten die Leute mit der eigenen K*cke hoch qualitatives Licht erzeugen.
Mit solcher Hilfe für die Ärmsten der Welt lässt sich allerdings kein Geld verdienen….

Helga Leibauer (SPD, 26. Mai 2015)

Frau Leibauer nimmt bei Gasbeleuchtung nur Schummerlicht wahr

Wir vermuten, dass sie schlecht gewartete Gaslaternen meint. Durch schlechte Wartung wird das Unbehagen gegen das Gaslicht natürlich gestärkt. Bei guter Wartung werden die Straßen durch Gaslicht vorschriftsmäßig beleuchtet, bei schlechter Wartung ist auch die modernste Elektrolampe verdreckt und dunkel.

Angelika Kraft-Dlangamandla (Linke, 26. Mai)

Frau Kraft-Dlangamandla wünscht “aus umweltpolitischen sowie Kostengründen”, dass “Gaslaternen” stehen bleiben aber mit LED-Leuchten  (gemeint: Leuchtmitteln) ausgestattet werden.

Fakt ist: Dann sind es keine Gaslaternen mehr, sondern Elektrolampen, für die es effektivere Bauarten gäbe, als Kopien alter Gaslaternen. Durch ungeeignete Bauformen würde also Energie (schon erzeugtes Licht, das nicht optimal auf die Straße gespiegelt wird) verschwendet.

Folge für die Straßen ist aber eine schlechtere Lichtqualität (Farbwidergabewerte) Das Gasglühlicht (Ra=100)  setzt die Maßstäbe, an denen sich alles andere Licht messen muss, LED mit “warmem” Licht (2700-3000 K°) kommt hier nur mit Mühe auf einen Wert über Ra=80 (leichter Grünstich) , Solches Licht ist  in der Arbeitsstättenverordnung allenfalls für Flure zulässig. In der Folge wird oft “Neutrallicht” (höhere blauanteile, Lichtfarbe 4000 K°) verwendet, das deutlich kälter und härter wirkt als das “warme” Gaslicht.

Eine “Umrüstung” alter Gaslaternen ist nicht ohne größten Aufwand möglich, weswegen oft Plastikatrappen Verwendung finden. Die bisherigen Erfahrungen mit “umgerüsteten” Gaslaternen zeigen, dass diese ebenso wie ihre eleketrischen Kollegen rostanfällig werden und die Nutzungsdauer rapide abnimmt.

Weiter muss festgestellt wereden, dass man sich bei LED-Leuchten auf die theoretisch längeren Wartungsintervalle verlässt und diese Lampen dann nicht ausreichend gewartet werden. Es ist die Pflege der Laternen, die ihren Preis hat.

Üblich ist leider oft ein Vollabriss des Gaslichtes und Ersatz durch NaH (Natriumdampf)- Lampen, deren p*ssgelben Charme von belgischen Autobahnen bekannt ist (der Ra-Wert liegt bei etwa 20).

Weitere Fakten in der Prüfung:

1. Es wird behauptet:

“Bei der Umrüstung von Gas- auf elektrische Leuchten (…)  werden die besonders beliebten Typen “Alt Düsseldorfer” und “Frankfurter” ausdrücklich geschont.” (Quelle: WZ 21. 10. 2010)

Wir stellen fest:

In Pempelfort wurden im Juli 2011 historische Gasleuchten vom Typ Frankfurt abgerissen und durch Elektrolicht ersetzt.


In Hamm wurden im August 2010 Modelle des Typs “Alt Düsseldorf” durch Plastikattrappen mit Elektrolicht ersetzt

Wir fragen:

Was genau bezeichnen die Verantwortlichen als “Frankfurter” bzw. “Alt Düsseldorf”?

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2. Es wird behauptet:

Bei der Umrüstung von 1.400 Gas- auf elektrische Leuchten an 63 Straßen (…) soll es sich nur um Hauptverkehrsstraßen oder um Straßen in Gewerbegebieten handeln. Dort könne und müsse durch helleres Licht die Sicherheit erhöht werden. (Quelle: WZ 21. 10. 2010)

Wir stellen fest:

In Himmelgeist, Ickeswarder Straße wurden Alt Düsseldorfer Gaslaternen (vgl oben) durch elektrisches Natriumdampf-Billiglicht ersetzt.

Ebenso in Wersten Fechnerweg/Geißnerweg:

oder in Benrath, Richard Strauß-Platz – (diese im Übrigen im Masterplan ausdrücklich auf der Abrissliste)

Wir fragen:

zu welcher Kategorie rechnen die Verantwortlichen diese Straßen?
Industriegebiet oder Durchgangsstraße?